Schreiben als Therapie? Aber sicher doch. Abgesehen von erlernbaren Formalismen gibt es für mich nur ein Qualitätskriterium, was Schreiben betrifft. Und das ist Wahrhaftigkeit. Was habe ich von den schillernsten Figuren und der formalistisch perfektesten Beschreibung, wenn ich dem Autor seine Figuren nicht abkaufe? Wenn sie wie Scherenschnitte wirken und sie mich kalt lassen? Es gibt nur wenige Autoren, denen es gelang oder gelingt, glaubhaft Schicksale zu erzählen. Von Menschen, die man so, wie sie beschrieben sind, glauben kann, dass es sie irgendwo gibt. Irgendwo da draußen, samt ihren Schicksalen, Freuden und Tränen, ihrem Hass und ihrer Wut, Freude, Liebe und Vergeben.
Ich arbeite wohl eher daran, selbst wahrhaftig zu schreiben. Aufrichtig zu sein und doch einen Schritt zurück zu machen: Nichts in die Figuren hineininterpretieren, was man sie nicht auch selbst erleben lassen kann. Weiters erscheinen mir gute Dialoge wichtig. Das haucht der Geschichte Leben ein. Und wo wir schon bei "Hauch" sind: Es geht doch nichts über atmosphärisch dichte Situationsbeschreibungen.