Das Leben

Ich habe mal das Leben mit einem Fragezeichen verglichen, dass sich im freien Fall befindet. Im Fall zwischen Geburt und Tod. Und wie erkenntnisreich das Leben in diesem Fall ist, ist wohl die Frage des Lebens schlechthin. Nicht: Woher kommen wir, wohin gehen wir, warum sind wir... Sondern was ist unser Beitrag? Was lernen wir? Was sind unsere Erkenntnisse und wie geben wir sie weiter? Und wem geben wir sie weiter? Wenn man ein Leben lebt, dass Nachkommen per Definition ausschließt, scheint das Schreiben gar keine so üble Option zu sein, dem Leben und der Welt etwas zurückzugeben.

Richard und ich, wir leben ein weitgehend zurückgezogenes Leben. Da wir sozusagen das Wichtigste des jungen Lebens hinter uns gebracht haben, nämlich die Suche nach dem richtigen Partner, können wir uns jetzt auf das Wesentliche im Leben konzentrieren: Unseren Teil dazu beitragen, Erkenntnisse sammeln und so gut es geht, weitergeben. Wir können uns jetzt aufeinander konzentrieren und viel besser aufeinander einlassen. Und das Leben gleicht der wechselnden Landschaft, die man sieht, wenn man auf einem langen ruhigen Fluss dahin reist.

Und wo leben wir?

Im 16. Bezirk von Wien kann man herrlich multikulti leben, und wir beide mögen das. Was man da so an einem Sommerabend machen kann: Am späten Nachmittag zum Prinz Eisenherz gehen, im Schanigarten sitzen und ein paar Bier trinken, dann zum türkischen Lebensmittelhändler, Spezialitäten kaufen, und dann noch zum arabischen Bäcker. Noch später zum Chinesen oder Japaner, oder zu unserem Freund Angelo in die Pizzeria. Überall freundliche Leute, wenn man zu ihnen freundlich ist. Auch wenn man ein multikulturelles schwules Paar ist. Oder gerade deswegen?