Expose zu

Mitternachtsdom

 

 

Synopsis:

Bei einem Unfall auf dem Dachsteingletscher verschwindet der Sportschüler Martin Thaler spurlos und wird erst am nächsten Morgen in der weit entfernten Mammuthöhle tot geborgen.

 

Als es bei einer Jahrhundertfeier am Dachstein durch einen abstürzenden Hubschrauber zu einer Katastrophe kommt, werden mehrere beteiligte Bergführer getötet, und der jüngste Teilnehmer, der Sportschüler Martin Thaler, ist unauffindbar. 

Sein bester Freund Andreas Seiler und ihr gemeinsamer Mentor, Mario Sonnleitner, leiten die intensive Suche nach dem Achtzehnjährigen, können ihn aber erst im Morgengrauen tot aus der Mammuthöhle bergen. Wie und warum Martin Thaler dorthin gekommen ist, ist Inhalt des Romans

 

Expose:

Die zwei Sportschüler Martin und Andreas werden aufgrund ihrer schulischen Leistungen an der Bundessportakademie in Innsbruck eingeladen, bei der Feier anlässlich der Erstbegehung des Steinerwegs auf die Südwand des Dachsteins als Fackelträger teilzunehmen.

Die beiden Freunde, die sich seit der Kindheit her kennen, könnten nicht unterschiedlicher sein: Martin Thaler wächst bei seinen streng konservativen, evangelischen Eltern auf und hilft ihnen im Hotelbetrieb. Er nimmt sogar körperliche Züchtigungen in Kauf aus Angst, bei Ungehorsam seine Zukunft im elterlichen Betrieb, im Heimatort zu verbauen. Sein Freund Andreas Seiler wächst bei seiner verwitweten Mutter auf, einer linksliberalen Frau, die ihre kleine Pension wie eine Wellnessoase führt.

 

Während der Jahrhundertfeier kommt es zu einem Unglück: Der Hubschrauber mit einem bekannten Journalisten an Bord kommt der Südwand zu nahe, wird von einer Windböe gegen den Fels geworfen und explodiert. Drei Bergführer sterben, zwei werden schwer verletzt, und Martin Thaler wird auf den Gletscher geschleudert und verschwindet außer Sicht.

 

Während die Rettungsmaßnahmen anlaufen, um einerseits die schwer verletzten Bergführer aus der Südwand zu retten und andererseits um Martin Thaler zu finden, schlägt das Wetter am Gletscher um und ein heftiger Schneesturm kommt auf.

 

Martin ist bei seinem Sturz durch ein Schneebrett gebrochen und findet sich in einer Gletscherspalte wieder. Er hat innere Verletzungen und das rechte Bein ist gebrochen; er versucht, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass er hier sterben könnte, gibt aber die Hoffnung auf Rettung nicht auf. Er ist hin- und hergerissen zwischen seinem Wunsch, an etwas Höheres zu glauben, und der Ablehnung gegen jenen rachesüchtigen, böswilligen Gott seiner Mutter.

Er ist zerrissen zwischen seinem Wunsch zu leben und zu sterben, zwischen seinem Wunsch, seinen Eltern ein guter Sohn zu sein, andererseits aber auch, sich als selbstständigen Menschen zu erfassen, der jung ist und Wünsche hat, die im Wertekatalog seiner Eltern einfach keinen Platz haben.

 

In diesen Stunden erscheinen ihm Lichter, lebendige, wallende Lichter im Eis, die im Gletscher „leben“. Sie erklären ihm, dass sie Geister seien, die Gott auf der Erde zurückgelassen hätte, um den Menschen, die in Not geraten, zu helfen, wenn sie nur wahrhaft fromm sind.

Martin erinnert sich schwach daran, dass dies eine Geschichte ist, die ihm seine Mutter als Kind erzählte, um ihn zu mehr Frömmigkeit zu motivieren.

Die Wesen erzählen Martin, sie könnten nur in den Himmel zurückkehren, wenn ein Mensch sie zu einem Dom begleiten würde, zu einem Dom, von dem aus sie in den Himmel zurückkehren könnten.

 

Martin findet in dem Ansinnen der Geister seine große Chance, etwas Gutes und Richtiges zu tun, etwas, dass christlicher ist als die formale Frömmigkeit seiner Eltern, und wohl auch eine Aufgabe, die seiner Berufung als Bergführer am nächsten kommt.

Martin schafft es, aus der Gletscherspalte hochzuklettern, immer wieder knapp daran aufzugeben, weil die Schmerzen einfach zu grausam sind.

Er weiß nicht, wohin er die Engel bringen soll, entscheidet sich aber, mit ihnen zur Mammuthöhle bei der Schönbergalm zu gehen, weil der größte einzelne Raum Mitternachtsdom genannt wird.

Er weiß, dass er sich so seiner Rettung durch die Bergrettung entzieht, fühlt sich aber angetrieben und beseelt von dem Wunsch, eine große Tat zu vollbringen.

 

Nun Martin Thaler führt eine Schar von Geistern über den zerklüfteten Karst des nächtlichen Dachsteins.

 

Ihm wird klar, dass die Begegnung mit den Geistern in direktem Zusammenhang mit dem Ereignis steht, welches ihn und seinen Freund Andreas vor zwei Jahren dazu veranlasste, Bergretter werden zu wollen. Damals unternahmen sie eine Tour zum Heilbronner Gedenkkreuz, um – zutiefst beeindruckt von Peter Grubers Roman „Tod am Stein“ – eine Mahnwache abzuhalten. In jener Nacht vor zwei Jahren war Martin davon überzeugt, die flehentlichen Hilferufe der verstorbenen Schüler zu hören. Sein Wunschtraum, durch die Jahrzehnte fassen zu können, um sie zu retten, scheint nun auf völlig unerwartete Art und Weise in Erfüllung zu gehen.

 

Er schafft es mit einer letzten, gewaltigen Willensanstrengung, die Geister bis zur Mammuthöhle zu führen. Dort bittet Martin sie um die Erfüllung von zwei Wünschen: Er möchte sie sehen, wirklich sehen, damit aus Glauben etwas anderes werden kann – nämlich Gewissheit, und – als er erkennt, dass ein Weiterleben eine einzige Qual wäre - möchte er mit ihnen gehen. Sein Wunsch erfüllt sich. Die Geister/Engel offenbaren sich ihm tatsächlich als jene dreizehn Menschen, die in der Karwoche 1954 den Tod fanden, und sie entsprechen seinem Wunsch, und nehmen ihn mit – gerade in dem Moment, in dem sein ehemaliger Ausbildner, und sein bester Freund Andreas ihn finden.